Wellen und Wale

Der Sturm ist in der Nacht vorbeigezogen. Ein Ladenbesitzer in Kaikoura hat uns erzählt, der Sturm sei mit 173 km/h durchgefegt. Das sei auch für eine exponierte Lage wie Kaikoura eher ungewöhnlich. 


Am Morgen hat das Meer zwar aufgewühlt, aber nicht tosend ausgesehen. Eigentlich sogar recht ruhig. Wir haben zusammengepackt und sind zu Whale Watch Kaikoura gefahren, wo um 11 Uhr unsere Tour beginnen sollte. Am Schalter zum Check in stand «very rough conditions» – das Meer sei sehr wild. Die Frau am Schalter hat mit einem Blick auf Sohn drei nochmals wiederholt, dass es nicht die besten Bedinungen seien, ob wir wirklich …😳? Etwas verunsichtert haben wir eingecheckt, uns das Sicherheitsvideo angesehen und wurden dann mit einem Bus zum Boot gebracht. 


So schlimm wurde es dann gar nicht. Es hatte zwar wirklich viel Wellengang und der Katamaran hat gehörig geschaukelt. Aber so viel anders als eine Achterbahn im Europapark wars jetzt auch nicht (auf die weder Sohn drei noch ich gehen, ähem). Sohn zwei war begeistert und wäre lieber ganz vorne hingesessen, wo er mehr vom Geschaukel gehabt hätte. Das Boot war ziemlich leer – die meisten Leute haben wohl einen Rückzieher gemacht. Die Touren sind eigentlich immer ausgebucht, weshalb wir ja auch eine Woche vorab gebucht haben (sonst hätten wir sicher die mit dem besseren Wetter genommen!).Ein freundlicher, junger Maori hat uns alles über Pottwale erzählt. Ich habe derweil etwas angestrengt den Horizont fixiert – mir war flau im Magen. Sohn drei neben mir gings blendend. Einigen Mitpassagieren ist nach und nach das Lachen vergangen, sie wurden zunehmend stiller und die hinteren Sitzreihen (wo der Katamaran am stabilsten ist) haben sich verdächtig gefüllt. 


Nach etwa einer Stunde hat der Kapitän einen Wal geortet und uns in seine Nähe gebracht. Da lag er im Wasser, hat zwischendurch eine kleine Wasserfontäne in die Luft geblasen, und sich ausgeruht. Er war aber schon seit einiger Zeit da, und ist dann ziemlich bald ziemlich fotogen untergetaucht. Ist schon majestätsch, wenn sie ihren gewaltigen Rücken krümmen und mit der Flosse als letztes untertauchen. Gleich nebendran wurde ein weiterer Wal gesichtet, und so wurden wir auch dorthin gefahren. Auch dieser Wal lag gemütlich da – manchmal sind sie interessiert an den Booten, diese hier nicht. Auch dieser Wal ist instagram-tauglich untergetaucht. Die Zeit lief, und der Kapitän hat uns in einer etwas gemütlicheren Fahrt zu den Hectors-Dolphins gebracht. Das sind die kleinsten Delfine, possierlich, wendig und sehr verspielt. Sie sind neugierig um unser Schiff geflitzt und waren eine Augenweide. Danach gings bereits wieder zurück nach Kaikoura. Mir war immer noch flau im Magen. Oben an Deck gings gut, aber während der Fahrt muss man sich setzen, da wars schwieriger. Die Frau, die neben mir sass, hat Tüte um Tüte vollge****. Sie war wohl sehr froh, als wir festen Boden unter den Füssen hatten!


Danach haben wir in Kaikoura Sushi gegessen und noch ein wenig in die Läden reingeschaut. Kaikoura wurde am 14. November 16 von einem grossen Erdbeben erschüttert. Die Spuren sind überall zu sehen. An der Einkaufsstrasse fehlen Häuser, dort stehen Container, in denen die Läden untergebracht sind. Die Strasse nach Kaikoura war bei unserer Anreise kilometerlang in schlechtem Zustand, überall waren Baustellen. Das Städtchen war längere Zeit komplett von der Umwelt abgeschnitten. Wer zur Zeit des Erdbebes als Tourist dort war, musste den Camper oder das Auto dort lassen, es gab keine funktionierenden Verkehrswege mehr. Wenn man das anschaut, hat der Neuseeländische Staat schon viel geschafft an Reparatur! 


Sehr beeindruckt war ich von der Firma Whale Watch Kaikoura. Warum kannst du hier nachlesen.


Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt Richtung Süden haben wir einen Abzweig zum Meer genommen und einen kleinen Campingplatz angesteuert. Zwar schöne Lage direkt am Meer, aber den Jungs hats überhaupt nicht gefallen dort. Bei den rudimentären und schmuddligen Einrichtungen wars dann auch unangenehm, als wir gemerkt haben, dass wir vor der Wegfahrt die Wasserpumpe nicht abgestellt haben und dass die ganze Zeit im Mini-Bad der Wasserhahn gelaufen ist (der Hebel rückt manchmal bei holprigen Fahrten nach oben, dann läuft das Wasser). Der Tank war leer, der Abwassertank dafür voll. Dabei hatten wir gerade erst gedumpt! Und das auf einem Zeltplatz, auf dem man die eigene Küche braucht (und der bereits bezahlt war). Also halt wieder 4 Kilometer zurück zum dumpen, abends um acht Uhr. Und wieder was gelernt.

Am nächsten Morgen sind wir weiter Richtung Süden gefahren. Unsere grossen Ziele auf der Südinsel waren der Abel Tasman und Kaikoura. Es sind nur noch etwa 10 Tage mit Jake, wofür reicht es noch, ohne dass es in Stress ausartet? Wir haben als nächstes Pinguine auf dem Radar – die Jungs möchten unbedingt Pinguine sehen. Zufälligerweise sind wir in Timaru gelandet, und die nette Frau auf dem äusserst sympathischen Campingplatz hat uns gesagt, dass abends gegen zehn am Hafen Pinguine zu ihren Jungen heimkommen (Blue Penguins). Das ist für heute Abend unser nächstes Ziel!

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