Keas

Zu den Bungee-Jumpern in Queenstown hat es uns noch nicht gereicht. Sohn ein wollte skydiven, Sohn zwei und drei und Mann auch gleich. Leider wars zu teuer – glücklicherweise auch ausgebucht. So haben wir den Morgen ganz gemütlich auf dem schönen Campground verbracht, ein mittelmässiges, selbstgekochtes Mittagessen verzehrt (irgendwie habe ich hier das Kochen verlernt) und sind zur Talstation der Gondelbahn Skyline Queenstown gelaufen. Die Bahn bringt die Passagiere auf den Hausberg von Queenstown. Man könnte auch in einer Stunde hinauflaufen (aber Achtung: laufen = Sterben! Tod! Jedenfalls bei unseren Kindern). Also haben wir uns für den Kompromiss entschieden: hinauffahren, runterlaufen. Tja, die Rechnung leider ohne die Queenstowner gemacht: diese Option gibts nicht. Gibt nur Hin- und Rückfahrttickets. 

Oben angekommen wollten wir ein wenig laufen gehen, noch ein wenig höher hinauf … Zum ersten Mal in Neuseeland sind wir wandermässig verwöhnten Schweizer an Grenzen gestossen: Wandern ist dort oben wohl nicht vorgesehen, wir haben jedenfalls weder Karte noch Wege auf Anhieb gefunden.


Danach sind wir mit der Bahn wieder runtergefahren. Es war schon fünf Uhr nachmittags … aber an der Talstation war das Birdlife Center, dort könnte man doch Kiwis anschauen! Die Station schloss zwar kurz nach sechs Uhr, trotzdem haben wir die Chance gepackt und ein Ticket gekauft. Es hätte sehr viele einheimische Vögel gehabt, die wir liebend gern angeschaut hätten … aber wir haben uns dann auf die Kiwis und die Keas konzentriert. 


Im Kiwihaus 2 konnten wir ein Kiwipaar bei der Fütterung beobachten. Die Vögel wurden in Gefangenschaft geboren. Sie haben bereits ein Junges aufgezogen, das ausgewildert wurde. Die beiden werden etwa 10 Jahre im Birdlife Center verbringen, und wenn ich es richtig verstanden habe, dürfen sie dann noch bis zu 20 Jahre in Freiheit leben, sie werden dann ausgewildert. Sie sind recht gross, richtig flauschig und nachtaktiv. Sie legen das im Verhältnis zum Vogel grösste Ei von allen Vögeln (was damit zusammenhängt, dass sie flugunfähig sind – zum Fliegen wäre das Ei viel zu schwer). 

An die Keas habe ich mein Herz schon beim letzten Neuseelandbesuch verloren. Nach einem Artikel im Geo über die intelligenten Bergpapageien war sowieso klar, welcher Vogel mein Lieblingsvogel ist … Wenn man die Strasse zum Milford Sound fährt und vor dem Homer-Tunnel beim Rotlicht warten muss, nehmen die Keas regelmässig die Autos auseinander. Besonders angezogen sind sie von Gummiteilen, die sie genüsslich mit ihrem langen Schnabel herausreissen. Zur Not tun es auch Wanderschuhe oder Rucksäcke. Die Vögel sind intelligent (sie haben ein Problemlöseverhalten wie ein vierjähriges Kind), freundlich und extrem verspielt. Dazu sind sie auch noch wunderschön. Der erst eher unscheinbar wirkende Papagei wird zum Schönling, wenn er seine Flügel ausbreitet und davonfliegt. Keas sind die einzigen Bergpapageien weltweit und leben nur auf Neuseelands Südinsel. Wer im Winter eine Wanderung macht und in einer Hütte übernachtet, kann durchaus auch mal einen Kea beobachten, der das Hüttendach als Schneerutsche benutzt … 

Die beiden Keas in Gefangenschaft waren genau so, wie ich den Kindern immer erzählt habe … Wir durften in ihr Gehege, und sie haben sich auf unsere Schuhe gestürtzt. Sohn zwei hatte rote Crocs an, die Kea eins gleich genüsslich zerrupfen wollte. Sohn eins Turnschuhe waren unten weiss – auch interessant. Mutters Kopfhörer vom Audioguide wären auch noch nett, da könnte man doch den Schaumgummi abpulen. Dazwischen wirft der Vogel sich in Pose, schaut interessiert, was wir machen und sieht überhaupt einfach gescheit und fotogen aus. Kea zwei sitzt auf einem Ast und macht Kea-Töne, die auch ich noch nie gehört habe. Abends auf dem Campingplatz hören wir ihn noch immer rufen – jetzt wissen wir, wer das Geräusch macht, am Tag zuvor hatten wir keine Ahnung … So haben sich die Keas sich auch in die Herzen der Jungs geschlichen …. 

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Glenorchy. Die Strasse soll eine der schönsten der Welt sein. Haha, wir sind Schweizer. Es war schön, ja. Aber halt ganz ähnlich wie eine Fahrt am Thunersee. Die Berge etwas anders, die Farben und Pflanzen natürlich auch, und viiiiiel weniger bewohnt. Aber im Hintergrund die südlichen Alpen, sogar noch mit Schnee, am Strassenrand der See. Leider war das Wetter nicht so schön wie gemeldet, es hatte hohe Wolken und so wars recht grau. Glenorchy selbst hat ein malerisches Häuschen am See, das alle Instagram-Sternchen fotografieren (auch wir, ohne Sternchen zu sein). Abgesehen von dem Hafen-Häuschen ist Glenorchy ein geruhsames, malerisches Städtchen. Wir kehren in einem coolen Café ein, bestellen heisse Schokolade und Cappuccino mit Cookies.

Neuseeland beeindruckt uns kulinarisch extrem. Jeder Cappucciono ist frisch gemacht, der Schaum wird mit Liebe separat hergestellt, der Kaffee sieht sogar in einem Supermarkt einfach aus wie bei uns in einem Nobel-Café. Wenn man irgendwo Take-away-Essen bestellt, muss man zwar immer warten (manchmal echt lange, meistens mindestens 20 Minuten), aber alles, wirklich alles ist frisch gekocht. Wir haben noch nie den billigen, langweiligen Kantinen-Food bekommen, den man bei uns bei Take-Away-Anbietern oftmals bekommt, nicht einmal auf der Fähre hier! Da dürften sich die Schweizer eine Scheibe abschneiden (aber das hängt wohl mit unserem Lohnniveau zusammen).

Statt wie geplant zum Moke Lake (wo wir Sterne gucken wollten am dunklen Himmel – aber eben, die Wolken …) fahren wir bis fast nach Kingston und suchen uns auf einem schönem Doc-Platz am See ein (Gratis-)Plätzchen. 

Tags darauf fahren wir Richtung Milford Sound. Nach langer Fahrt kommt endlich der Homer-Tunnel, wo wir auf den Parkplatz davor einbiegen. Nicht lange und die (diesmal wilden) Keas sind da! Sie sind so lustig und verspielt wie beim letzten Mal, und die Kinder freuen sich an ihnen. Sie sind das Highlight des Tages!

Wir haben auf dem Campingplatz bei der Lodge einen Platz gebucht und laufen von dort aus zum Sound. Uns gefällts dort, und halleluja, es regnet nicht! Hier regnets eigentlich immer (7000 mm im Jahr). Die Jungs finden heute nichts Schönes am Regenwald und so gehen wir wieder zurück. Es ist ohrenbetäubend laut im Wald auf dem Campground. So viele und laute Zikaden habe ich noch nie gehört!

Abends essen wir mein Vor-Geburtstagsessen im Restaurant bei der Lodge. An meinem Geburtstag gehen wir auf eine Bootsfahrt auf den Sound. Ich hoffe, es regnet nicht zu viel – mein Leben lang wollte ich einmal im Sommer Geburtstag haben, und dann gehen wir ausgerechnet an den regenreichsten Ort Neuseelands …

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